Urteil Oberlandesgericht: Missbrauch des Instruments der Abmahnung

Abmahnungen – Modeerscheinungen – Politik und Justiz drehen dem Geschäft mit den Abmahnungen die Luft ab

Berlin, Herbst 2020 – Von Seiten der Legislative und der Judikative innerhalb der Bundesrepublik Deutschland gibt es in letzter Zeit Bestrebungen das bis dato erträgliche Geschäft mit dem “Missbrauch” von Abmahnungen zu beschränken. Es soll verhindert werden, dass Abmahnungen zur Generierung von Vertragsstrafen und Gebühren genutzt werden.

Wettbewerbsrechtliche Abmahnungen

Die Legislative ist nach der Staatstheorie die gesetzgebende Gewalt. Also in der Bundesrepublik Deutschland der Bundestag. Im Rahmen des oben beschriebenen Vorhabens hat der Bundestag am 11.09.2020 eine Änderung beziehungsweise Erweiterung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb beschlossen. Es wird in Zukunft nur noch möglich sein, dass Abmahnungen durch die konkret Geschädigten ausgesprochen werden. Es ist also das Ziel die wettbewerbsrechtliche Abmahnung als juristisches Instrument wieder ihrem ursprünglichen Zweck zuzuführen. Die Geltendmachung von berechtigten Ansprüchen, die aus einem Verstoß des anderen Marktteilnehmers gegen die wettbewerbsrechtlichen Regeln resultieren. So soll verhindert werden, dass sich Individuen oder Organisationen darauf “spezialisieren” durch Abmahnwellen Gewinne zu erwirtschaften.

Geltendes Recht zum Schutz des Wettbewerbs

Valentin Markus Schulte / Kanzlei Dr. Thomas SchulteAuch die Judikative folgt diesem Gedanken unter anderem in dem Urteil 6 U 210/19 des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt am Main vom 12. November 2020. Die Judikative ist nach der Staatstheorie die rechtsprechende Gewalt, also die Bundes- und Landesgerichte.

So entschied das OLG Frankfurt a.M., dass 240 Abmahnungen in einem Jahr durch eine Firma, die keinen mittelbaren wirtschaftlichen Bezug zu dem Wettbewerbsverstoß des Abgemahnten hat, für einen Missbrauch des Instruments der Abmahnung spricht. Im speziellen Fall bezog sich die Abmahnung auf das Fehlen eines Links, welcher zu einer Online-Streitbeilegung Internetseite führen soll. Laut der Verordnung Nr. 524/2013 der Europäischen Union vom 21. Mai 2013 ist diese Verlinkung allerdings verpflichtend und kann im als Verstoß gegen den lauteren Wettbewerb gesehen werden. Eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung ist somit rechtlich zulässig. In diesem speziellen Fall war die Abmahnung allerdings unzulässig. Die Abmahnende Firma hatte sich nach Ansicht des Gerichtes auf die Abmahnung speziell der fehlenden OS-Verlinkung spezialisiert. So waren die 240, in einem Jahr, versandten Abmahnungen hauptsächlich auf diesen Zweck ausgerichtet. Ein besonderes wirtschaftliches Interesse lag vonseiten der abmahnenden Firma nicht vor. Dieses würde beispielsweise bei einem direkten Konkurrenzverhältnis zwischen dem Abmahnenden und dem Abgemahnten vorliegen.

Abschließend ist also zu sagen: Hält sich ein Konkurrent nicht an geltendes Recht zum Schutz des Wettbewerbs und ist aus diesem Grund mit einem Wettbewerbsvorteil zu rechnen, ist die Abmahnung immer noch ein probates und rechtmäßiges Mittel, um wettbewerbsrechtliche Vergehen zu unterbinden.

V.i.S.d.P.:

Valentin Markus Schulte
Volkswirt / stud. jur.

Rechtsanwaltskanzlei Dr. Thomas Schulte
Malteserstraße 170
12277 Berlin
Telefon: +49 30 221922020
E-Mail: valentin.schulte@dr-schulte.de

 

Englische Übersetzung:

Ruling by the Higher Regional Court: Abuse of the warning notice instrument

Warning letters – fad – politics and judiciary turn off the business with warning letters

Berlin, Fall 2020 – On the part of the legislature and the judiciary within the Federal Republic of Germany, there have recently been efforts to limit the hitherto tolerable business with the “abuse” of warning letters. The aim is to prevent warning letters from being used to generate contractual penalties and fees.

Warning letters under competition law

According to the theory of the state, the legislature is the legislative power. In the Federal Republic of Germany, this is the Bundestag. As part of the above-described project, the Bundestag passed an amendment or expansion of the law against unfair competition on September 11, 2020. In the future, it will only be possible for warnings to be issued by the specifically injured parties. The aim is therefore to return the competition law warning as a legal instrument to its original purpose. The assertion of justified claims resulting from a violation of competition law rules by the other market participant. This is intended to prevent individuals or organizations from “specializing” in generating profits through waves of warning letters.

Applicable law to protect competition

The judiciary also follows this idea, among others, in the ruling 6 U 210/19 of the Higher Regional Court (OLG) Frankfurt am Main of November 12, 2020. According to the theory of the state, the judiciary is the judicial power, i.e., the federal and state courts.

Thus, the OLG Frankfurt a.M. decided that 240 warning letters in one year by a company that has no indirect economic connection to the competition infringement of the person being warned speaks for an abuse of the instrument of the warning letter. In the specific case, the warning related to the lack of a link which should lead to an online dispute resolution website. According to Regulation No. 524/2013 of the European Union of May 21, 2013, this link is mandatory and can be seen as a violation of fair competition. A warning under competition law is therefore legally permissible. In this particular case, however, the warning was inadmissible. According to the court, the warning company had specialized in warning specifically about the lack of an OS link. Thus, the 240 warning notices sent in one year were mainly aimed at this purpose. There was no particular economic interest on the part of the company issuing the warning. This would be the case, for example, if there was a direct competitive relationship between the company issuing the warning and the person being warned.

In conclusion, it can be said that if a competitor does not comply with the applicable law for the protection of competition and a competitive advantage is to be expected for this reason, the warning notice is still an effective and lawful means of preventing infringements under competition law.

 

V.i.S.d.P.:

Valentin Markus Schulte

Economist / law student

Law office Dr. Thomas Schulte

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